Wolle

Wolle, Wolle, Wolle – vom Schaf zum Pullover

Wolle, Wolle, Wolle – vom Schaf zum Pullover. Ein Projekt von Halle 36 e.V.

In diesem Projekt begreifen SchülerInnen die Produktionskette vom Schaf zum Wollprodukt. Sie lernen verschiedene Handwerkstechniken und regionales Wirtschaften kennen. Sie erproben sich in einer Schülerfirma und entwickeln eigene Ideen.

Projektbeschreibung

In Brandenburg werden Schafe zur Pflege der Kulturlandschaft und Beweidung von Grünflächen gehalten. In kleinem Umfang spielen auch (Lamm-) Fleisch und Felle eine Rolle. Dagegen ist die Wolle der Schafe ein Abfallprodukt, welches zumeist nicht mehr verwertet wird, da es mit der Importware aus Übersee nicht konkurrenzfähig ist. Die Rohwolle ist ein regionales, ökologisches, nachhaltiges und hochwertiges Produkt und steht kostenlos zur Verfügung. Sie ist unser Ausgangsmaterial.

Entlang der gesamten Wertschöpfungskette können die Kinder die einzelnen Schritte aktiv mitvollziehen: Aufzucht der Tiere, Arbeit mit einer Schafherde, Schafschur, Wollqualitäten, Rohwolle reinigen, kardieren, spinnen, Färbematerial sammeln, Wolle färben, designen, filzen, nähen, stricken, häkeln, knüpfen, vermarkten. Sie können selbst Hand anlegen, verschiedene handwerkliche Techniken und Berufe kennenlernen. In einer Reihe von Projekttagen/Workshops oder einer außerschulischen AG entdecken und erproben die SchülerInnen ihre handwerklichen Fähigkeiten, lernen eigene Vorlieben kennen und können ihre eigene Gestaltungskraft einbringen.

Da zum nachhaltigen Handwerk auch die Entwicklung attraktiver Produkte, Kalkulation, Vermarktung und der Umgang mit rechtlichen Rahmenbedingungen gehören, soll dies im Rahmen einer Schülerfirma ausprobiert werden. Parallel dazu sollen die Schulkinder durch Gespräche mit jungen UnternehmerInnen aus dem ländlichen Raum verschiedene Berufe kennenlernen und mit ihnen über Chancen und Risiken nachhaltigen Wirtschaftens diskutieren.

Einen internationalen Bezug erhält das Thema, wenn es um die Frage fairer Produktion und um Konsumgewohnheiten geht. Kinder und Jugendliche setzen sich über ihren Kleidungsstil mit der eigenen Identität und Zugehörigkeit zur Peer Group auseinander und probieren verschiedene Rollen aus. Qualität und Nachhaltigkeit spielen dabei meist eine geringere Rolle als modische Aktualität und Preis. Die sinnliche und praktische Beschäftigung mit der Herstellung von textilen Wollprodukten ermöglicht ihnen eine Wertschätzung des Handwerks und einen kritischen Blick auf die sozialen und ökologischen Bedingungen der Textilproduktion in Fernost und einen Impuls, ihr eigenes Konsumverhalten zu hinterfragen.

Ziele

Wir möchten erreichen, dass junge Menschen Vorbilder finden und eigene Ideen für nachhaltigen Konsum entwickeln. Zudem sollen sie verschiedene Möglichkeiten kennenlernen, wie sich zeitgemäß alternative Arbeits- und Lebensformen im ländlichen Raum verwirklichen lassen. Im Projektzeitraum wollen wir vier Produkte für den Einsatz in Schulen, in der Ganztagsbetreuung und in außerschulischen Bildungseinrichtungen erarbeiten:

  1. Eine Handreichung für Lehrende für den Einsatz im Unterricht (BNE, fachübergreifend) und / oder zur Durchführung von Projekttagen mit Schulkindern ab ca. 10 Jahren (Grundschule: ab Klasse 4; weiterführende Schulen: ab Klasse 7):

    Modul 1: Schafzucht (Infos über altes Handwerk), Naturmaterial Wolle (Infos Eigenschaften), Schritte der Rohstoffgewinnung und Bearbeitung (scheren, sortieren, waschen)
    Modul 2: Farben gewinnen aus Naturmaterialien, Färbepflanzen sammeln, Wolle färben, handwerkliche Verarbeitung: Kämmen/Kardieren, Spinnen
    Modul 3: Handwerkliche Techniken: Weben, Filzen, Häkeln, Stricken, Knüpfen
    Modul 4: Altes Handwerk neu beleben: Gespräche mit HandwerkerInnen und Freiberuflern (Züchter, Textildesigner) , die ihr Unternehmen im Dorf (neu) angesiedelt haben, Ideenentwicklung, Produkte, Märkte (Beitrag zur Berufsorientierung)

  2. Aufbau einer Schülerfirma (in Zusammenarbeit mit Junior-Schülerfirmen) , die sich mit der Herstellung und Vermarktung von Wollprodukten befasst (im lokalen Raum, z.B. regionale Märkte, Schulfeste). Dabei setzen sich die SchülerInnen mit vielseitigen Themen auseinander, wie Konzeption, Finanzen, Vermarktung, Kooperation, Design, Produktion. Es werden konkrete Fähigkeiten erkannt, ausprobiert und reflektiert.
    Gespräche mit Fachkundigen (Gründerforum, HandwerkerInnen…) ergänzen die eigenen Ideen.
  3. Gemeinsam mit den Schülern sollen jeweils zwei Materialkisten zu Modul 1, 2 und 3 entstehen, die von Lehrenden beim Verein Halle 36 e. V. ausgeliehen werden können. Sie sollen altersgerechte Werkzeuge, Materialien, Anleitungen und Werkstücke für Kinder und Jugendliche enthalten. Diese Materialkisten stehen Schulen und Jugendorganisationen in den Bundesländern Brandenburg und Berlin zur Verfügung.
  4. Eine Dokumentation mit Erfahrungen aus den ersten Projekttagen und Workshops sowie Informationen zum Thema Schülerfirma. Hier können sich auch die Partner im Projekt und weitere Personen und Initiativen zum Thema Wolle kurz präsentieren.

Zielgruppe

Das Projekt richtet sich an Kinder und Jugendliche ab 10 Jahren und an Erziehende und Lehrende.


Das Projekt ist gefördert durch Fonds Nachhaltigkeitskultur

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